Architekt Dipl. Ing. Ernst Mrázek Architekt Dipl. Ing. Ernst Mrázek

Künstler

Helmut Rainer

Lichtobjekte bei der Hauptschule in Gerasdorf

Zwei zylindrische, schwarz pulverbeschichtete Nirosta-Säulen (H=500 cm, D=50 cm) fungieren als Trägerrampen für je vier blaue Leuchtstoffröhren, bilden zusammen zwei Lichtskulpturen, die das anonyme Ortsbild von Gerasdorf markieren, Orientierungshilfe geben.

Helmut Rainer
Helmut Rainer
Helmut Rainer

Helmut Rainer

Hermann Bauch

Pumpenhaus Gerasdorf

Ein äußerlich zur Gänze baufälliger, gemauerter: „Schandfleck im Ortsbild“, welcher in seinem inneren aber die wichtige und voll-funktionstüchtige Schaltstelle für die darunterliegenden Pumpenwerke des Gerasdorfer Kanalisationssystems verbirgt, sollte einer Totalsanierung unterzogen werden.

Als ersten Schritt ersetze man einen verunzierenden Funkmast durch ein unscheinbares Telefonkästchen, welches über Impulse die Befehle an den Schaltkasten weiterleitet. Des Weiteren waren aber auch ein Starkstrom-Schleifenkasten der Wiener Stadtwerke, ein eigener Kasten für mehrere elektrische Kleinanschlüsse, sowie die Entlüftungsrohre aus dem Pumpenschacht so in das neue Kleinbauwerk zu integrieren, damit dieses abgesehen von seinen diversen Aufgaben, auch als reine künstlerische Skulptur Gültigkeit besäße.

Durch den gegeben, kleinen Abstand zu einer stark befahrenden Straße (60 cm) welche eine große Gefährdung des für die Gemeinde so wichtigen Schaltwerkes zur Folge hat, wurden zusätzlich zur markanten Form zur Steigerung der Signalwirkung kräftige Farben verwendet.

Form und Farbe sind aus den Funktionen des Gebäudes abgeleitet Wellen-Wasser: Zacken-Hochspannung: die Oberfläche des gesamten Objektes ist mit Stob-bruch-keramik verfließt. Zum zusätzlichen Schutz wurden entlang der Straßenkurve 6 Betonpoller errichtet.

Textquelle: Kulturnachrichten aus dem weinviertel JHG. 16 / Heft 2 Juni 1996

Pumpenhaus Gerasdorf
Pumpenhaus Gerasdorf
Pumpenhaus Gerasdorf

Pumpenhaus Gerasdorf

Renate Kapfinger

Projekt von der Hauptschule Gerasdorf

Die Idee zu dieser kinetischen Skulptur entstand aus sehr didaktischen Anforderungen:

die am Dach der Schule von einem Windrad und Sonnenmodulen eingefangene Energie sollte durch ein Kunstwerk in Bewegung umgesetzt und bildhaft begreifbar werden. Das besondere der Windwaage ist nun, dass die Verwandlung der flüchtigen Naturkräfte in eine mechanische Leistung sehr prägnant dargestellt wird, dass dieser physische Effekt aber zugleich wieder in ein nichtmechanisches, rein ästhetisches Phänomen transzendiert wird.

Die vom Windrad erzeugte Elektrizität wird zunächst in die Physikklasse geleitet, wo sie an einem Messgerät abgelesen werden kann, und strömt dann weiter zur Windwaage, in der ein kleiner Motor die Auf- und Abwärtsbewegung der Kuben betreibt.

Der Turm selbst besteht aus vier extrem schlanken Nirosta -stehern, die mit feinen Nirosta-Rundstäben kreuzweise ausgesteift sind, auf diesen Stehern gleiten zwei oben und unten offene kuben aus Steckmetall auf und ab; sie sind durch einen geschlossenen, über Umlenk-Ränder geführten Seilzug miteinander verbunden. Der breitere Kubus fährt außen an den Stützen entlang, der Höhere innen.

In der Auf- und Abbewegung durchdringen sie einander, halten sich im Gleichgewicht und bilden in der Bewegung der farbigen, sich überschneidenden Gitterflächen ein bewegtes Moire-Bild.

Es entsteht ein sehr meditativ wirkender, optischer Effekt, der an das Flimmern einer Wasseroberfläche oder eines Fernsehschirms erinnert.

Dieses „Filmbild“ lässt sich besonders gut vom großen Pausenraum im ersten Stock des Schulhauses aus betrachten. Die Farben der Kuben sind helltürkis (außen) und Lichtgeld (innen). In ihrer Überschneidung erfolgt eine virtuelle Farbmischung zu grasgrün hin.

Die „Windwaage“ steht etwas versetzt vor dem Haupteingang der Schule und ist ein wenig aus der Achse der Bäume zur Straße gerückt, um den Ort auch für den vorbeifahrenden Autofahrer zu markieren.

„Windwaage“ wirkt grazil und schwerelos und gibt dem Gebäude wie dem Umraum eine großzügige Dimension. Energie-bewusste, komplexe Technik verwandelt sich von der Luft in der Luft bewegt – in subtile, spielerische Ästhetik.

Textquelle: veröffentlichte Kunst – Kunst im öffentlichen Raum Nö band 3

Renate Kapfinger

K.u.SCH

Kindergarten Gerasdorf

Mit diesem Haus wurde für uns ein Traum wahr (Künstlertraum!). Wir konnten ein Haus als Skulptur realisieren. Und zwar nicht irgendeine Behübschung oder eine Hülle. Sondern als Ganzes. Ich meine strukturell entwickeln. Gemeinsam mit dem engagierten Architekten Ernst Mrazek. Von ihm kam die Idee. Das Haus im Grundriss von einem Punkt aus aufzufächern. Eine Idee, die uns sehr entgegenkam. Und die uns viele Möglichkeiten bot, skulpturale Baukörper zu entwickeln. Und die Praxis zeigte, dass wir fast alle unsere Vorstellungen realisieren konnten. Es ist eine wirklich fruchtbare Zusammenarbeit geworden, weit über das erhoffte Maß hinaus, man könnte sagen: nahezu am Ideal baukultureller Vorstellungen. ( sieht man jetzt über Mängel am Detail hinweg).

Von Idealen zu sprechen ist natürlich etwas knifflig. Die Standpunkte sind eben unterschiedlich, die Ideale der moderne (der modernen Kunst) haben sich entwickelt und gewandelt, und einiges Wertvolles ist auch wieder verloren gegangen – aus unserer Sicht. Interessant in unserem Zusammenhang ist da ein Zitat von Adolf Loos ( in etwa): „Architektur und Inneneinrichtung haben der Bequemlichkeit zu dienen -Malerei der Unbequemlichkeit.“ Nun sind wir (und natürlich nicht nur wir) in den 70er Jahren den wichtigen Schritt weiter gegangen, der den Lehrsatz von Loos zwar nicht aufhebt, aber doch relativiert. Der neue Standpunkt der „grenzüberschreitenden Tendenzen“ von z.B. Objektkunst und Konzeptkunst besagte in etwa, dass die Dinge sowohl der Kunst als auch des Lebens nicht wirklich voneinander zu trennen und zu schubladieren sind. Und dass alle bedeutenden ineinandergreifen und miteinander verwoben sind. Es geht also bei den künstlerischen Interventionen, wenn man so will, um das Kippen der tatsächlichen Wahrnehmung über die Beiläufigkeiten der gewohnten Realität hinaus. -eben ohne Abgrenzung durch Bilderrahmen oder Sockel, sowie umgekehrt: nur durch die einsame Alleinigkeit der Bilderrahmen.
Es kann also ein Ding gleichzeitig bequem und unbequem sein. Wir wollen damit sagen: es gibt also Sinn, wenn ein Bauwerk gleichermaßen auch Skulptur ist.

K.u.SCH.

Textquelle:
Veröffentlichte Kunst – Kunst im öffentlichen Raum Nö. Band 2

K.u.sch.   Kindergarten Gerasdorf
K.u.sch.   Kindergarten Gerasdorf
K.u.sch.   Kindergarten Gerasdorf

K.u.sch.   Kindergarten Gerasdorf

Richard Künz

Spielobjekte beim Kindergarten Seyring

Die Objekte sind als Gestaltung des Eingangs- und Vorplatzbereiches für den neu errichteten Kindergarten gedacht.
Eine asymmetrische Vordachkonstruktion setzt einen Akzent gegenüber der symmetrischen Fassade, ein Wechselspiel von Rampen und Stiegen dient gleichfalls dieser Absicht.

Kommt Kunst von Können?
Versuch einer Vermittlung

Österreich ist eine Kulturnation – wer von uns wollte daran zweifeln. Es ist uns auch schon zu oft vorgesagt worden, als dass wir geneigt wären, dieses Faktum (oder bloß Behauptung?) immer wieder kritisch zu hinterfragen. Bedenken wir aber auch, wie weit abgesteckt das Terrain eigentlich ist, auf dem kulturelle Leistungen erbracht werden.

Unser Augenmerk wollen wir hier, dem gegebenen Anlaß folgend, ausschließlich der bildenden Kunst widmen. Gerade dabei haben wir es mit einem Bereich zu tun, wo Herr und Frau Österreicher ungeniert kommentieren und qualifizieren, mit souveränem Urteil die Kunst von der Nichtkunst trennen.

Mag man auf anderen Ebenen des Kulturschaffens bisweilen zurückhaltend im Urteil sein, Zweifel an der eigenen Fachkompetenz hegen, in Sachen bildender Kunst sind wir allesamt Experten. (Was könnte es für uns Künstler Schöneres geben?)

Der Bogen spannt sich auch hier sehr weit. Während die einen vielleicht die Kunst eines F.G. Waldmüller lieben, nur einer naturalistischen, romantisierenden, gegenständlichen Bilddarstellung vertrauen, das Zelebrieren einer vermeintlich heilen Welt als die wesentliche Aufgabe der Kunst betrachten (das eigentliche Leben ist ja ohnehin beschissen genug), schätzt ein anderer womöglich Herrmann Nitsch, und neben Friedensreich Hundertwasser trägt auch Arnulf Rainer die Kunde von der zeitgenössischen Kunst aus Österreich in die Welt.

Der Volksmund hat dafür eine sprachliche  Entsprechung parat: Gusto und Ohrfeigen sind verschieden! Das mag grundsätzlich so sein. Als eine Art Primitivformel blendet sie allerdings jede weitere Fragestellung aus und kann den Phänomenen rund um die Partizipation zeitgenössischer Kunst nicht gerecht werden.

Wie ist es tatsächlich um das Verhältnis der Bewohner dieses Landes  (als Angehörige einer Kulturnation!) zur Kunst bestellt?

Wo billige Massendrucke, fertig gerahmt, in Supermarktketten zu Schleuderpreisen angeboten und auch gekauft werden, ist Kunstverstand nicht zu Hause. Kunst, platziert zwischen Thunfisch und sauren Gurkerln, mitgenommen „w eu ma im Wagerl no Platz haum“ – wir glauben sie haben Besseres verdient.

Wird das Bedürfnis nach Kunst bloß von leeren Wandflächen genährt, von der Einsicht, „ein bißl ein Aufputz täte dem Raum schon gut“, wird dem Betroffenen bei der Suche nach Passendem  höchstwahrscheinlich nur Schund in die Hände fallen.

In solchen Fällen würde ich eher dazu raten, Vergrößerungen von gelungenen Urlaubsfotos an die Wand zu hängen, um diese dadurch ihrer Leere zu berauben. Sie erkennen, was auf den Bildern dargestellt ist, dies fördert die Vertrautheit mit dem eigenen Heim, dem ureigensten Lebensraum.   

Richard Künz
Spielobjekte beim Kindergarten Seyring

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